Der Steppenwolf – Hermann Hesse [#Buchrezension]

Seit Jahren liegt dieses Buch in meinem Regal und wartet darauf, dass ich endlich danach greife. Etliche Male habe ich mir vorgenommen als nächstes meinen SUB von diesem mehrfach gelobten Roman zu befreien – aber nichts da. Immer wieder war der Wille nicht stark genug, ein anderes Buch war zu interessant und der Steppenwolf blieb wo er war. Jahrelang unter seinesgleichen, bereits voller Zweifel jemals gelesen zu werden…
Doch schließlich kam der Tag – welche seelische Verfassung mich dann dazu gebracht hat, würde ich zwar auch gerne wissen, aber lassen wir das – der Tag an dem ich ohne viel darüber nachzudenken endlich nach dem Buch griff und unverrichteter Dinge zu lesen begann…

Der Steppenwolf
Hermann Hesse

Inhalt
»Harry Haller ist in das kulturlose und unmenschliche Inferno unserer prunkenden und lärmenden Gegenwart vorgedrungen und steht mit seinem Begriff von Menschenwert… einsam außerhalb der bürgerlichen Gesellschaft. Seine Sehnsucht kennt eine unerreichbare Wirklichkeit: seine Verzweiflung treibt ihn zuweilen in die erreichbare andere zurück. Lust und Enttäuschung ihres Daseins führen in seinem Herzen und Hirn einen Kampf, an dem die Zivilisation Europas mit ihrem ganzen Bestände und Befunde teilnimmt.« Oskar Loerke

Aufbau
Wie der Roman aufgebaut wurde, ist in wenigen Worten erzählt. Es gibt nur ein „Vorwort des Herausgebers“, welches aber schon zur Handlung selbst gehört. Anschließend beginnt die Geschichte von Harry Haller und wird in einem durcherzählt – ohne Kapitelunterteilungen. Es gibt nur eine Sequenz die man als „eigenes Kapitel“ gelten lassen könnte, nämlich als Harry das „Traktat vom Steppenwolf“ liest.
Ein Buch beinahe in einem Fort durchzulesen, also immer gezwungen zu werden an einer beliebigen Stelle abzubrechen, das ist nicht mein Stil. Mir sind vorgegebene Kapitel meist lieber, aber hin und wieder ein bisschen Abwechslung schadet nicht 😉

Inhalt & Schreibstil
Mir ist schon aufgefallen, ich finde eher gefallen an Bücher mit älterem Schreibstil. Die Art und Weise wie der Autor die Geschichte erzählt, die Wortwahl, der Satzbau. In letzter Zeit habe ich einige Bücher gelesen dessen Originalausgabe zumindest bereits ein Jahrhundert zurückliegt und merke deutlich, dass mir der Schreibstil mehr gefällt als der aus den modernen Büchern.
So war es auch bei „Der Steppenwolf“, der erstmal 1927 erschienen ist.

Der Inhalt lässt sich am geschicktesten mithilfe von Buchzitaten vermitteln.
Zu Beginn ist hier vor allem einmal die Spaltung in Mensch und Wolf, die Harry quält.

Die Zweiteilung in Wolf und Mensch, in Trieb und Geist, durch welche Harry sich sein Schicksal verständlicher zu machen sucht, ist eine sehr grobe Vereinfachung zugunsten einer plausiblen (aber irrigen) Erklärung der Widersprüche, welche dieser Mensch in sich vorfindet und die ihm die Quelle seiner Leiden zu sein scheinen. Jedoch ist kein einziger Mensch so angenehm einfach, dass sein Wesen sich als die Summe von nur zwei Hauptelementen erklären ließe… sie bestehen mindestens aus hundert wenn nicht aus Tausend!

Der Steppenwolf – Hermann Hesse (S. 75)

Schließlich die Haltung von Harry gegenüber der Gesellschaft, der Politik, der Zeitungen – welche ihn auch zum Einsiedler macht, da die breite Masse und deren Einstellung ihn oft anwidert.

Jedes Volk und sogar jeder einzelne Mensch müsse, statt sich mit verlogenen politischen „Schuldfragen“ in Schlummer zu wiegen, bei sich selber nachforschen, wie weit es selbst durch Fehler, Versäumnisse und üble Gewohnheiten mit am Kriege und an allem andern Weltelend schuldig sei, das sei der einzige Weg, um den nächsten Krieg vielleicht zu vermeiden.

Der Steppenwolf – Hermann Hesse (S. 151)

Und zuletzt noch die Hilfe und Rettung von Hermine, die ihm Ihre Sicht der Dinge darlegt und ihm so aus seinem Elend befreit.

… So ist es mir ergangen. Ich war eine Weile trostlos, und ich habe lange Zeit die Schuld an mir selber gesucht. Das Leben, dachte ich, muss doch schließlich immer recht haben, und wenn das Leben meine schönen Träume verhöhnte, so dachte ich, es werden eben meine Träume dumm gewesen sein und unrecht gehabt haben. Aber das half gar nichts. Schließlich aber sah ich: meine Träume hatten recht gehabt, tausendmal recht, ebenso wie deine Harry. Das Leben aber, die Wirklichkeit, hatte unrecht!

Der Steppenwolf – Hermann Hesse (S. 193/194)

Natürlich gibt es sehr viel mehr Inhalt und auch sehr viel mehr Themen die man besprechen könnte und die das Buch anschneidet, aber ich habe diesmal die Bereiche herausgenommen, die mich am meisten berührt haben und die ich dieses Mal aus dem Buch mitnehmen werde.

Meine persönliche Meinung
Ich bin sehr glücklich darüber, das Buch endlich gelesen zu haben! Das einzige was ich darüber wusste war, dass es von allen Seiten gelobt wird und es ein Klassiker ist. Nun ja – da gab es schon einige und nicht jedes war deshalb unbedingt lesenswert.
Dieser Roman gehört aber auf jeden Fall dazu. Er vermittelt unglaublich viel Werte! Es steckt so viel zwischen den Sätzen und man hat zusätzlich die Möglichkeit selbstständig über das was gelesen wurde nachzudenken und mal anständig zu grübeln!
> was geht in der Welt vor (jetzt gerade/früher)? > was geht in mir vor? > was geht in meinen Mitmenschen vor? > wie sehe ich die Welt da draußen? > will ich handeln oder will ich zusehen?

Die Brust, der Leib, ist eben immer eines, die darin wohnenden Seelen aber sind nicht zwei, oder fünf, sondern unzählige; der Mensch ist eine aus hundert Schalen bestehende Zwiebel, ein aus vielen Fäden bestehendes Gewebe.

Der Steppenwolf – Hermann Hesse (S. 79)

Fazit
Ein Klassiker den man gelesen haben sollte! Jeder filtert hier genau die Themen heraus, die für sein Leben gerade passend sind – dieses Buch passt immer und für jedermann! Ehrlich – treffend – leider wahr.

Bewertung: ♥♥♥♥♥

Daten zum Buch:
Seitenanzahl: 277 Seiten
ISBN Nr.: 978-3-518-36675-2
Preis: 9,30€
Ausgabe: 2015
Erscheinungsjahr: 1927
Verlag: Suhrkamp Taschenbuch 175
Genre: Roman, Autobiografie, Existentialistische Fiktion

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