Eine Reise zu dir selbst… [#Writing Friday]

Wunderschönen Samstag euch allen!

Ja ich weiß es ist heute ausnahmsweise Samstag beim „Writing Friday“, aber geschrieben wurde die Geschichte am Freitag 😉
Heute ist meine Geschichte zum ersten Mal etwas länger geworden…

Das heutige Thema: „Emma ist gerade in ein neues Haus gezogen, als sie dort den Wandschrank öffnet weht ihr ein kühler Wind entgegen, sie tritt hindurch und ist in einer anderen Welt… (Erzähle die Geschichte weiter)

Nach einer belebenden Dusche fühlte sich Emma bereit für den anstehenden Tag, der für Sie heute viel zu bald begonnen hatte. Um 06:00 Uhr früh war sie normalerweise noch im Land der Träume anzutreffen, doch da Emma und ihr Mann Robin erst letzte Woche umgezogen waren, standen in dem neuen Haus kreuz und quer noch Kisten die es schleunigst auszupacken galt.
Kurzzeitig keimte Ärger in ihr auf und Sie musste an den Streit von gestern Abend denken bei dem Sie und Robin über die Arbeiten am Haus gesprochen haben. Das Gespräch war etwas ausgeartet, da Emma sich beschwerte dass sämtliche Arbeiten an ihr hängenblieben da Robin jeden Abend todmüde nach Hause kam und zu nicht viel mehr fähig war, außer sich erschöpft auf dem Sofa niederzulassen. Während sie versuchte die Erinnerungen an den gestrigen Abend zu verscheuchen, war Sie die Treppe zum Dachboden hinaufgestiegen und stand plötzlich vor dem alten Wandschrank, der Robin und ihr bereits vor dem Einzug aufgefallen war. Robin meinte er wäre vielleicht in irgendeinem Zimmer gut als Stauraum zu gebrauchen. Um herauszufinden was darin Platz finden könnte, öffnete Emma beide Türen als ihr plötzlich ein kühler Wind entgegenwehte. „Was war das denn?“, dachte Sie und griff neugierig mit einer Hand in das Innere des Wandschrankes. Es hingen einige Sommerkleider darin, an eine Wand stieß sie jedoch anschließend nicht – sie griff stattdessen weiter ins Leere. „Das ist ja seltsam! Ein Schrank ohne Wand?“, wunderte sich Emma.
Ohne weiter darüber nachzudenken stieg Sie in den Wandschrank…

… und befand sich plötzlich ganz und gar nicht mehr auf dem schummrigen Dachboden ihres neuen Hauses. Im Vergleich zu dem Ort an dem Sie sich aktuell befand, war der Dachboden wohl einer der schönsten Plätze überhaupt.
Sie erstarrte. Ihr Herz fing an zu rasen, ihr Atem setzte aus und sie wusste nicht wohin sie ihren Blick als erstes richten sollte.
Überall standen schick gekleidete Menschen die in bester Stimmung ihre Gläser aneinander stießen und sich zuprosteten. Sie lachten, feierten, tanzten und unterhielten sich prächtig – an dem Tag der „angeblich“ zum schönsten Tag ihres Lebens hätte werden sollen – ihren Hochzeitstag.
In ihrer Erinnerung hatte sie diesen Tag jedoch anders. Für sie wurde es der schlimmste Tag bisher und es vergingen meist nicht viele — waren es Stunden? — an den sie nicht zumindest kurz daran denken musste.
„Keine Angst, die Menschen hier können dich nicht sehen oder hören. Du bist hier sozusagen ein Geist. Wie in der Geschichte von Charles Dickens mit Ebenezer Scrooge – kennst du die?“, ein kleiner blauer Spatz war neben Emma aufgetaucht und hatte sich auf einen Ast in der Höhe von Emmas Kopf niedergelassen. Fröhlich schnatternd weckte das Vögelchen Emma aus ihrer Erstarrung. „Bist du okay? Du siehst etwas blass aus.“
„B-blass..?!“, war das einzige was Emma im ersten Moment herausbrachte. Sie war einen Schritt auf die Seite getaumelt und starrte gebannt auf den kleinen Spatz, abwartend ob dieser noch mehr seltsame Worte von sich geben würde oder ob sie das alles nur träumte. Das war tatsächlich gerade ihr sehnlichster Wunsch – aufzuwachen um aus diesem Alptraum schnellstmöglich wegzukommen.
„Diesen Wunsch kann ich dir leider nicht erfüllen. Noch nicht. Das ich dich vollquatsche daran wirst du dich wohl gewöhnen müssen. Ich schätze du hast schon erkannt wo du hier gelandet bist?“, zwitscherte der Spatz.
Einige Sekunden sah Emma abwechselnd auf den sprechenden Vogel und auf die Hochzeitsgesellschaft. Der Spatz gab ihr die Zeit die sie brauchte um die Eindrücke zu verarbeiten – er hatte das schon oft genug miterlebt und wusste wie schwierig es sein konnte mit einer Vergangenheit konfrontiert zu werden die man versuchte zu verdrängen.
„In Ordnung“, versuchte Emma das erste mal in ihrem Leben ein Gespräch mit einem Vogel zu beginnen. „Du also bist ein Vogel der spricht. Ich war gerade noch in meinem Haus und jetzt bin ich auf meiner Hochzeit die vor 2 Jahren stattgefunden hat – dem schlimmsten Tag meines Leben. WAS IN ALLER WELT HAT DAS ZU BEDEUTEN?“, Emma musste tief durchatmen und ihre Gedanken auf etwas anderes lenken. Der Anblick der fröhlichen Gäste setzte ihr zu und sie musste sich davon abhalten die Menge mit Blicken zu durchsuchen. Sie plagten zur gleichen Zeit Ängste als auch Sehnsüchte dabei die eine Person zu entdecken, die diesen Tag und alle Erinnerungen an ihre Hochzeit zunichte gemacht haben.
„Ganz recht – ein Vogel der spricht. Das bin ich. Mein Name ist übrigens Konrad!“, stellte sich der kleine blaue Spatz stolz vor.
„Nun ich denke wir sollten mal eine Runde drehen während ich dir erkläre, in was du hier reingeraten bist.“, schlug Konrad vor. Emma nickte nur stumm. Sie wollte einfach nur hier weg.
„Also es ist so,…“, begann der blaue Spatz zu erklären und setzte sich dabei auf Emmas Schulter.

„…dieser Wandschrank ist wie du bereits herausgefunden hast, kein gewöhnlicher Wandschrank. Er führt diejenigen die ihn durchschreiten sozusagen näher zu sich selbst – zumindest versucht er es.“
„Warte – zu sich selbst? Was meinst du damit? Wie soll ich näher zu mir selbst finden, wenn ich zurück zu meinem Hochzeitstag geschickt werde?!“, ärgerte sich Emma sofort. Der Vogel seufzte.
„Ach Emma. Du bist nun hier bei mir und ich versuche dir nur zu helfen. Hör mir einfach zu, ärgere dich nicht und lass doch mal alle Sorgen von dir abfallen. Denk an gar nichts. Es wird dir gut tun, glaub mir.“, begann der Spatz erneut. Emma starrte stur gerade aus und verkniff sich ein Kommentar. „Was konnte ihr ein Vogel schon helfen?“, dachte sie.
„Nun gut. Zurück zur Sache. Der Wandschrank führt die Menschen zurück zu einem entscheidenden Ort bzw. einer Situation in ihrer Vergangenheit den sie in der Realität meist versuchen zu verdrängen. Hier ist etwas passiert, dass dich verändert hat oder dass etwas in dir ausgelöst hat. Du bist aber nicht bereit daran zu arbeiten, sondern wehrst dich dagegen. Verdrängung ist jedoch für niemanden eine Lösung, es zerstört dich von Innen und wenn du dich nicht bald damit beschäftigst wirst du daran zerbrechen. Woher denkst du kommen deine Schmerzen?“, der Spatz räusperte sich weil er im Augenwinkel sah wie Emma eine Träne über die Wange rollte. „Zumindest ist dies in deinem Fall so. Der Wandschrank entscheidet bei jedem anders, wie er handelt und was er genau tut… Kannst du dir bereits denken, wieso der Wandschrank dich genau hierher gebracht hat?“, fragte der Spatz vorsichtig.
Die Worte des Vogels waren Emma durch Mark und Bein gegangen. Niemand hatte ihr bisher so ehrlich gesagt, was sie eigentlich tief im Herzen wusste, aber eben nicht hören wollte. Sie wollte es auch jetzt nicht hören, denn das würde heißen sich allem stellen zu müssen. Doch vielleicht hatte der Spatz ja recht. Er hatte gesagt ihre Schmerzen würden daher kommen. Ob hier ein Zusammenhang bestand? Die starken Kopfschmerzen hatten erst mit der Vorbereitung der Hochzeit begonnen und waren seitdem immer schlimmer geworden.
„Natürlich weiß ich es…“, gestand sie ihrem kleinen blauen Freund traurig. „Ich habe seit meinem Hochzeitstag kein Wort mehr mit meiner Mutter gewechselt und sie seither auch nicht mehr gesehen. Sie hat mir mit ihrer Art ständig alles besser zu wissen und alles für mich organisieren zu wollen, alles ruiniert. Sogar am Hochzeitstag selber, an dem ich dachte es sei alles organisiert und ich könnte mich nun endlich entspannten, hat IHR nichts gepasst. Dies musste geändert werden und jenes musste noch angepasst werden. Es hatte sich alles so sehr in mir angestaut, dass ich schließlich explodiert bin und sie gebeten habe von meiner eigenen Hochzeit zu verschwinden. Seither habe ich kein Wort mehr mit ihr gewechselt. Obwohl sie x – Mal versucht hat sich bei mir zu melden und sich zu entschuldigen. Ich wollte einfach alles vergessen und will es noch!“, Emma hatte angefangen zu schluchzen und die letzten Worte kamen nur noch unverständlich aus ihrem Mund. In solchen Momenten wünschte Konrad sich tröstende Hände um den Menschen sanft und beruhigend über den Rücken zu streichen. So konnte er nur traurig zusehen wie Emma ihre Vergangenheit verarbeitete und mit ihr mitfühlen.
„Ich verstehe, dass du am liebsten davonlaufen möchtest. Doch es ist an der Zeit dich endlich der Situation zu stellen. Vergib deiner Mutter wie sie damals gehandelt hat und sprich mit ihr! Kommunikation ist wichtig, vor allem in der Familie – davon hat man nun mal nur die eine und die hat eben ihre ganz eigenen Charakterzüge. Versuche dich nicht im Stillen zu ärgern wenn dich etwas stört, sondern offen darüber zu sprechen damit dein Gegenüber auch darüber Bescheid weiß.“, sprach Konrad sanft.
Emma nickte langsam. Ja, das wollte sie tun. Schüchtern lächelte sie den Spatz an. „Danke, ich denke ich war anfangs etwas schroff. Das tut mir leid!“, entschuldigte sie sich.
„Ach was, ich bin das gewohnt. Und jetzt schau dass es dir selbst bald besser geht!“, zwitscherte der Spatz fröhlich als Emma plötzlich ganz flau im Magen wurde und zwei Sekunden später kullerte sie plötzlich aus dem Wandschrank und befand sich wieder auf dem Dachboden in ihrem Haus.
„Puh“, dachte sie. „Was für eine Reise!“. Doch anstatt weiter das Haus zusammenzuräumen und die Umzugskartons zu verräumen, verspürte sie plötzlich den unbändigen Drang sich das Telefon zu schnappen und nach 2 Jahren ihre Mutter anrufen…

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Elizzy von readbooksandfallinlove hat sich eine ganz tolle Aktion für Freitags ausgedacht (jede Woche gibt’s neue Texte/Geschichten/Gedichte zu immer anderen Themen) und ich versuche nun auch mir wöchentlich dafür Zeit zu nehmen, da ich mehr Raum für den kreativen Part meines Lebens schaffen möchte!

Welche spannenden Themen uns im August erwarten, das erfahrt ihr vermutlich erst in 2 Wochen, da ich ab heute im wunderschönen Tirol meinen Urlaub verbringe und daher eine kleine Schreibpause einlege 🙂

Auf viele weitere Geschichten und kreative Texte!

Liebe Grüße und eine schöne Zeit!
Carmen

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